IoP Therapie


ist die Abkürzung für Identitätsorientierte Psychotraumatherapie, bzw. -theorie. Gegründet wurde diese Methode von Prof. Dr. Franz Ruppert (München), der Psychotrauma und deren Dynamik, Auswirkung und Heilungsmöglichkeit für Betroffene in seiner eigenen Praxis und in seiner langjährigen Forschungstätigkeit untersuchte – und weiterhin untersucht.

 

Theoretische Hintergründe

IoPT SitzungenTrauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt Wunde/Verletzung. Wir unterscheiden körperliches Trauma (schwere Unfälle und Verletzungen, körperliche Gewalteinwirkung von außen, etc) und psychisches Trauma. Letzteres ist das, womit sich IoPT beschäftigt.

Wann erleben wir psychisches Trauma? Zuerst denken wir dabei vielleicht an körperliche Gewalt, Vergewaltigung, schlimme Verluste, Krankheiten. Ja, es kann genau da geschehen. Aber Trauma passiert nicht nur in dramatischen, plötzlichen Ereignissen, sondern auch – und dies viel häufiger – in den stillen, ‚unauffälligen’, frühen Lebensphasen, wo es vor allem um die Entwicklung von gesunder Bindung geht, die aber aus verschiedensten Gründen nicht gegeben ist, z.B. wenn wir vielleicht noch im Bauch der Mutter sind und die Mutter uns nicht will oder selber traumatisiert ist;  Oder bei der Geburt, wo wir vielleicht um unser Leben kämpfen und danach nicht ausreichend gut in der Welt empfangen werden; Oder in den ersten Lebensjahren, wo wir auf unsere Eltern und deren Liebe, Geborgenheit und Schutz angewiesen sind, und wir genau das nicht erhalten. Wenn wir uns also einer Situation ganz und gar ohnmächtig und hilflos ausgesetzt fühlen und keine Möglichkeit haben, dieser Situation zu entkommen, kann es zu deutlicher Beeinträchtigung unserer Psyche kommen.

Wenn unsere Selbstregulation nicht mehr richtig funktioniert und die Möglichkeit von Flucht oder Abwehr nicht gegeben ist, veranlasst der Körper – zum Überleben – eine Notbremse in uns. Unser System wird auf Sparmodus gestellt. Nur die Funktionen, die tatsächlich für unser Überleben notwendig sind, bleiben intakt. Dieses Notfall-Überlebens-Programm heißt: Fühlen einstellen und diesen Anteil, der davon betroffen ist, abspalten (einfrieren).  So ist es dem gesamten Organismus möglich, weiterhin zu funktionieren und uns am Leben zu erhalten. Je früher dies in unserer Entwicklung geschieht, umso einschneidender und prägender wirkt diese Erfahrung auf unsere Psyche.

Was hier dramatisch klingt, zeigt sich vielleicht erst einmal gar nicht dramatisch im Außen. Der Überlebensmodus läuft, der/die Betroffene wächst heran und manche Menschen verbringen sogar ihr ganzes Leben in ihrem Überlebensmodus. Es zeigt sich vielleicht in übermäßigen Sport, Suche nach Grenzerfahrungen, Drogen und Süchte jeder Art, destruktive Beziehungen, etc.  Der Organismus ist im Dauerstress-Modus. Entspannung würde eventuell die Bereiche der Psyche, die hier permanent unten gehalten werden, enthüllen und dies soll auf alle Fälle vermieden werden. Der Körper entwickelt eine gewisse Grundspannung, die die Betroffenen vielleicht sogar als normal empfinden, da sie es nicht anders kennen.

Hält der Körper dem Stress und dem Dauer-Druck nicht mehr stand, zeigen sich die ersten Symptome. Krisen, Probleme in der Partnerschaft, Burn-out, Depression, wiederholende Schicksalsschläge, Probleme in der Arbeit, Krankheiten, chronische Beschwerden, sich wiederholende zerstörende Verhaltensmuster, destruktive Beziehungen. Dieses und viel mehr sind sehr häufig der Alarmruf der Psyche, die nach Heilung und Ganzwerdung drängt. Somit wird das, was erst einmal als Krise oder Problem zutage tritt, glücklicherweise der Türöffner zur Gesundung.

Und genau an der Stelle suchen viele Menschen Unterstützung. IoPT bietet eine wunderbare Möglichkeit an, nach der Ursache der Symptomen zu forschen und sie zu erkennen. Diese Therapieform eignet sich hervorragend, an Themen heranzukommen, die dem Bewusstsein sonst verschlossen bleiben, da sie tief im Unterbewussten begraben liegen und von dort aus in die Gegenwart hineinwirken. IoPT ist eine Methode, die Gelegenheit bietet, sich selber und seinen/ihren Anteilen, vor allem auch denen, die abgespalten wurden, sehr real und klar zu begegnen. Unbewusstes darf an die Oberfläche treten. Deshalb heißt diese Therapieform auch Selbstbegegnung (oder Arbeit mit der Anliegenmethode).

Praktische Ausführung

Ganz konkret sieht die Arbeit so aus: entweder in einer Einzelsitzung oder in der Gruppe wird von Betroffenen ein ganz konkretes Anliegen formuliert und auf eine Tafel oder einem Blatt notiert. Für jedes Wort oder Zeichen wird dann ein/e Stellvertreter/in (bzw. Bodenanker in der Einzelsitzung) ausgewählt, die/der damit in Resonanz geht.

Die Resonanzträger fühlen und drücken aus, was in ihnen vorgeht. Die einzelnen Wörter, bzw. Zeichen weisen auf einzelne Anteile der Psyche hin, die über die Vertreter verkörpert werden. Das Innenleben wird nach außen gebracht. Sehr rasch wird sichtbar, wie sich die Anteile fühlen, welche Anteile gesund, welche im Überlebensmodus und welche vielleicht traumatisiert sind. Die ganze Dynamik des Innenlebens wird in wenigen Minuten sichtbar. Ein Phänomen, das sich noch immer nicht wissenschaftlich erklären lässt, aber äußerst zuverlässig funktioniert.

Der zweite Schritt ist, dass die Person, die das Anliegen eingebracht hat, nun die Möglichkeit hat, seinen eigenen psychischen Anteilen zu begegnen und mit ihnen in   Kontakt zu kommen. Entsteht dabei auch eine emotionale Berührbarkeit, dann ist ein großer Schritt getan. Das, was einst nicht mehr gefühlt werden durfte, wird wieder gefühlt und somit in das eigene System re-integriert. Erkennen, Anerkennen und Fühlen sind die heilsamen Schritte ins Ganzwerden. Unbewusstes wird bewusst. Unbelebtes wird wieder lebendig. Trance-ähnliche Zustände verwandeln sich in Wachheit, Klarheit und inneres Ausgerichtet-Sein.

Viele Betroffene beschreiben es wie ein Neugeboren-Werden.

Kosten:
Einzel-Aufstellung: 80 Min. / 80 Euro
Gruppe-Aufstellung: 80 Euro, Resonanzträger 15-20 Euro

“Wenn wir unsere Verstrickungen herausfinden, unsere abgespalteten Anteile integrieren, können unsere Gefühle wieder mit dem Strom des Lebens frei fließen, dann sind wir als Menschen ganz lebendig, nah an der Realität und nah bei uns selbst.” Prof. Dr. Franz Ruppert

Literaturtipp:
Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft, Prof. Dr. Franz Ruppert

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